Abnehmen mit Ingwer

Themen

 

Hat Ingwer eine Wirkung beim Abnehmen?

Die Frage, ob Ingwer beim Abnehmen hilft, wird intensiv diskutiert. Viele Menschen suchen nach einem einfachen Mittel, das hilft, überflüssiges Fett zu verlieren. Dazu ist Ingwer jedoch leider genauso wenig in der Lage, wie irgendeine andere Substanz. Allerdings gibt es vielversprechende wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Ingwer die gesundheitlichen Auswirkungen von Übergewicht reduzieren und den Gewichtsverlust unterstützten kann.

Übergewicht ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Auch wenn viele Leute vor allem Gewicht verlieren möchten, um sich attraktiver zu fühlen, sollte man den gesundheitlichen Aspekt nicht unterschätzten. Um zu verstehen, wie Ingwer den Abnehmprozess unterstützten kann, ist es zunächst notwendig, die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht etwas näher zu beleuchten.

Übergewicht und das metabolische Syndromlose-weight-gespiegelt-300x162 Abnehmen Anwendungsgebiet

Übergewicht, bzw. speziell die Zunahme von Fett-masse im Bauchbereich, ist mit einer ganzen Reihe von Krankheitsbildern assoziiert, von denen man einige vereinfachend als metabolisches Syndrom zusammenfasst. Unter diesem Begriff versteht man die Kombination aus Übergewicht im Bauchbereich, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und einem gestörten Zuckerstoffwechsel. Auch wenn die Mechanismen hinter diesen Krankheitsbildern nicht abschließend geklärt sind, spricht vieles dafür, dass Übergewicht eine Schlüsselrolle zukommt. [1]

Übergewicht führt zum metabolischen Syndrom

Durch eine übermäßige Kalorienzufuhr und geringe körperliche Betätigung kommt es zunächst zu einer verstärkten Einlagerung von Fett im Bauchbereich. Dieses Fettgewebe ist entgegen der landläufigen Meinung kein einfacher Energiespeicher. Es greift durch die Freisetzung von Hormonen in hohem Maße in den Stoffwechsel ein. So setzen die Fettzellen zum Beispiel das Sättigungshormon Leptin frei, das langfristig das Körpergewicht regulieren soll. Bei Zunahme des Fettgewebes steigt auch die Leptin-Freisetzung, quasi um das Sättigungsgefühl zu verstärken. Bei starkem Übergewicht nimmt die Leptin-Freisetzung jedoch so stark zu, dass die Zielzellen eine Resistenz gegen das Hormon entwickeln, sodass das Sättigungsgefühl immer mehr ausbleibt. [2]

Übergewicht führt zu Leptin-Resistenz

Ein weiteres wichtiges Hormon des Fettgewebes ist das sogenannte Adiponektin. Dieses Hormon garantiert, dass Hormone des Zuckerstoffwechsels an ihren Zielzellen wirken können. Bei Übergewicht sinkt die Freisetzung von Adiponektin, wodurch die Hormone ihre Wirkung nicht mehr richtig entfalten können. Man spricht von einer Resistenz der Zelle. In diesem Zustand wird verstärkt Zucker aus der Leber ins Blut freigesetzt. Von dort aus wird er jedoch nicht mehr in Muskeln und Fettzellen aufgenommen. Der Blutzucker ist krankhaft erhöht und kann nicht mehr richtig verwertet werden, wodurch er langfristig körpereigenes Gewebe schädigt. [2]

Übergewicht führt zu einer reduzierten Freisetzung von Adiponektin

Durch die fehlende Hormon-Wirkung kommt es außerdem zu einer gesteigerten Freisetzung von sogenannten freien Fettsäuren. Diese gelangen in die Leber, wo sie eine Verfettung dieses Organs begünstigen. Darüber hinaus kommt es zu einem Anstieg der Triglyceride und des schädlichen LDL-Cholesterins, sowie zu einer Abnahme des protektiven HDL-Cholesterins. [2] Nicht zuletzt verstärken die freien Fettsäuren noch zusätzlich die Resistenz der Zellen und begünstigen Schädigungen an den Gefäßwänden. [3,2]

Freie Fettsäuren schädigen die Leber und erhöhen die Blutfettwerte

Zusätzlich zur Freisetzung von Hormonen kommt es durch die starke Zunahme des Fettgewebes auch zu einer Beeinflussung der immunologischen Situation des Körpers. So setzen die Fettzellen verstärkt entzündungsfördernde Zytokine frei und locken gleichzeitig zusätzliche Immunzellen an. Diese sind im Fettgewebe von Übergewichtigen in deutlich höherer Zahl zu finden. [2] Ein Erklärungsansatz für dieses Phänomen ist, dass die energetische Überversorgung die Fettzellen in einen Stresszustand versetzt. Dadurch gehen einige von ihnen zu Grunde. Dieses Zellsterben wiederum löst eine Immunreaktion aus, die letztlich in einem permanenten Zustand geringgradiger Entzündung im Körper resultiert. [1] Die beteiligten Entzündungsmediatoren verstärken wiederum die bereits vorliegende Hormon-Resistenz. [1,2] Der Einfluss dieses Entzündungsgeschehens geht dabei so weit, dass eine Minderheit von Übergewichtigen ohne erhöhte Entzündungsmediatoren gar kein metabolisches Syndrom entwickelt. [1]

Übergewicht führt zu chronischen Entzündungen

Man kann also festhalten, dass Übergewicht im Bauchbereich in hohem Maße den Hormonhaushalt beeinflusst und letztlich eine krankhafte Zunahme der Blutfettwerte und einen permanenten Zustand geringgradiger Entzündung im Körper fördert. Diese Kombination führt schließlich zu Diabetes mellitus [7] und begünstigt die Entstehung von Alzheimer [6] und Arteriosklerose [8], die Gefäßverschlüsse bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfällen auslöst.

ingwerteeseite-grafiken-breite-1000_0918_PA-01-02entzuendungs-entwicklung Abnehmen Anwendungsgebiet

Bewegungsarmut, ungesunde Ernährung und vor allem Übergewicht fördern gemeinsam chronische Entzündungen. Diese wiederum führen zum metabolischen Syndrom, sprich der Kombination aus Übergewicht im Bauchbereich, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und einem gestörten Zuckerstoffwechsel. Aus diesem Syndrom können sich dann schwerwiegende Krankheitsbilder entwickeln.

 

Wie hilft Ingwer beim Abnehmen?

Tatsächlich gibt es einige Arbeiten, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben. Zwei sehr aktuelle Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2017 und 2018 haben versucht die bisherigen Erkenntnisse zusammen zu fassen. Dabei konzentriert sich die eine Arbeit vor allem auf den Gewichtsverlust [4], während die andere den Fokus auf das metabolische Syndrom und Diabetes legt [5].

In Tierversuchen konnte nahezu durchgängig gezeigt werden, dass Ingwer, bzw. Ingwer-Extrakte den Gewichtsverlust fördern. Es kam zu einer Gewichtsreduktion, die gestörte Blutzuckerkontrolle wurde verbessert und die Blutfettwerte gesenkt. Außerdem konnte man eine geringere Verfettung der Leber beobachten und es kam zu einer Reduktion von Entzündungsmarkern. [4]

Es gibt mehrere mögliche Mechanismen, über die Ingwer diese Effekte erzielen kann. So steigert Ingwer den Energieumsatz und erhöht die Lipolyse. Das bedeutet, Ingwer begünstigt sowohl die Freisetzung von Fettsäuren, als auch deren energetische Verstoffwechselung. Außerdem scheint Ingwer den Aufbau von Fettgewebe und das Wachstum der Fettzellen zu hemmen. Nicht zuletzt kann Ingwer wohl die Aufnahme von Nahrungsfetten im Darm reduzieren und helfen den Appetit zu kontrollieren. [4]

Ingwer fördert das Abnehmen in Tierstudien und der Zellkultur

Beim Menschen sind die Ergebnisse leider bislang noch nicht ganz so eindeutig, in einigen Arbeiten wurde ein Gewichtsverlust beobachtet, in anderen nicht. Jedoch sollte man berücksichtigen, dass es bislang lediglich vier Studien am Menschen gab, die sich ausschließlich auf den Gewichtsverlust konzentriert haben, und dass dabei zum Teil nur geringe Mengen Ingwer genutzt wurden. [4]

Aus diesem Grund sind die Ergebnisse der zweiten Arbeit, die den Fokus auf Diabetes und das metabolische Syndrom gelegt hat, deutlich interessanter. Darin wurden zehn Studien berücksichtigt, in denen die Probanden entweder Diabetes mellitus Typ2 hatten, oder mindestens ein Kriterium des metabolischen Syndroms. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Die Einnahme von Ingwer reduzierte Nüchtern- und Langzeitblutzucker (HbA1c) und verbesserte die Wirkung der Blutzucker-regulierenden Hormone. Außerdem kam es zu einer deutlichen Verbesserung der Blutfettwerte. Bei der Gewichtsreduktion gab es zumindest einen gewissen Trend zum Gewichtsverlust. [5]

Ingwer verbessert beim Menschen Blutzuckerkontrolle und Blutfettwerte, hilft jedoch nicht unmittelbar beim Gewichtsverlustginger-1024124_1920-300x225 Abnehmen Anwendungsgebiet

Was bleibt demnach als abschließendes Fazit übrig? Ingwer ist leider kein natürlicher Fettkiller und man wird auch durch das Trinken von Ingwerwasser nicht spontan abnehmen. Für einen gesunden und langfristigen Gewichtsverlust muss man sich ausgewogen ernähren, Sport treiben und dadurch ein gewisses Kalorien-Defizit erreichen. Es kann jedoch durchaus Sinn machen eine vernünftige Diät mit Ingwer zu ergänzen. Gerade wenn der Zuckerstoffwechsel, oder die Blutfettwerte bereits gestört sind, kann die Einnahme von Ingwer, oder Ingwer-Extrakten einen echten Mehrwert liefern und helfen, schwerwiegenden Folgeschäden entgegen zu wirken.

 

Quellen:

(1) Samson, S. L., & Garber, A. J. (2014). Metabolic syndrome. Endocrinology and Metabolism Clinics of North America. https://doi.org/10.1016/j.ecl.2013.09.009

(2) Kershaw, E. E., & Flier, J. S. (2004). Adipose tissue as an endocrine organ. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 89(6), 2548–2556. https://doi.org/10.1210/jc.2004-0395

(3) Boden, G. (2011). https://doi.org/10.1097/MED.0b013e3283444b09.45Obesity

(4) Ebrahimzadeh Attari, V., Malek Mahdavi, A., Javadivala, Z., Mahluji, S., Zununi Vahed, S., & Ostadrahimi, A. (2018). A systematic review of the anti-obesity and weight lowering effect of ginger (Zingiber officinale Roscoe) and its mechanisms of action. Phytotherapy Research : PTR, 32(4), 577–585. https://doi.org/10.1002/ptr.5986

(5) Zhu, J., Chen, H., Song, Z., Wang, X., & Sun, Z. (2018). Effects of Ginger (Zingiber officinale Roscoe) on Type 2 Diabetes Mellitus and Components of the Metabolic Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine : ECAM, 2018, 5692962. https://doi.org/10.1155/2018/5692962

(6) Holmes, C. (2013). Review: systemic inflammation and Alzheimer’s disease. Neuropathology and Applied Neurobiology, 39(1), 51–68. https://doi.org/10.1111/j.1365-2990.2012.01307.x

(7) Patel, P. S., Buras, E. D., & Balasubramanyam, A. (2013). The role of the immune system in obesity and insulin resistance. Journal of Obesity, 2013, 616193. https://doi.org/10.1155/2013/616193

(8) Rajendran, P., Chen, Y.-F., Chen, Y.-F., Chung, L.-C., Tamilselvi, S., Shen, C.-Y., … Huang, C.-Y. (2018). The multifaceted link between inflammation and human diseases. Journal of Cellular Physiology, 233(9), 6458–6471. https://doi.org/10.1002/jcp.26479