6-Gingerol

Gingerole sind die dominanten Scharfstoffe im frischen Ingwer. Sie verleihen der Wurzel ihren unverwechselbaren Geschmack. Der wichtigste Vertreter der Gingerole ist wahrscheinlich das 6-Gingerol.

Strukturformel von 6-Gingerol

Wie sein Verwandter 6-Shogaol gehört auch 6-Gingerol zu den phenolischen Substanzen in der Ingwer-Wurzel. Es wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht und weist unter anderem entzündungshemmende und krebshemmende Eigenschaften auf.

Chemisch gesehen ist 6-Gingerol eng verwandt mit Capsaicin und Piperin, den Stoffen die Chilischoten und schwarzem Pfeffer ihre jeweilige Schärfe verleihen. Beim Kochen wird es zu Zingeron umgewandelt. Diese Verbindung ist milder und hat ein würzig-süßes Aroma, hat aber aktuellen Forschungen zufolge nicht die gleiche Wirkung auf die Gesundheit wie 6-Gingerol oder 6-Shogaol.

Wenn Ingwer getrocknet wird, entsteht aus dem 6-Gingerol 6-Shogaol. Chemisch gesehen wird dabei eine sogenannte Hydroxygruppe abgespalten, man spricht von einer Dehydratisierung. Das Shogaol ist dann fast dreimal so scharf wie das ursprüngliche Gingerol. Aus diesem Grunde ist getrockneter Ingwer auch schärfer als frischer. Jedoch muss bei der Trocknung der Ingwer-Wurzeln darauf geachtet werden, diese nicht zu stark zu erhitzen, da durch zu hohe Hitzeeinwirkungen der Anteil der gesunden Scharfstoffe sinkt.

Wie bei den Shogaolen umfasst die Gruppe der Gingerole mehrere sogenannte Gingerol-Derivate. Dazu zählen neben dem 6-Gingerol vor allem 8-, 10- und 12-Gingerol.

Pharmakologische Eigenschaften

6-Gingerol pharmakologische EigenschaftenGingerole haben ein breites Spektrum an nachgewiesenen Wirkungsweisen. Sie sind dazu in der Lage, an verschiedensten Molekülen im Körper zu binden, und dadurch den Stoffwechsel zu beeinflussen. Daraus ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, Gingerole gezielt therapeutisch einzusetzen. Im Folgenden haben wir eine Übersicht der wichtigsten Wirkungsweisen zusammen gestellt. Dabei sollte man jedoch erwähnen, dass viele der aufgeführten Mechanismen bislang nur in Zellkulturen und bei Tieren beobachtet werden konnten und noch nicht beim Menschen.

Antioxidativ und entzündungshemmend

Als oxidativen Stress bezeichnet man ein erhöhtes Aufkommen von hochreaktiven Sauerstoffverbindungen (ROS) im Körper. Diese können mit Strukturproteinen, Enzymen oder der DNA reagieren und diese schädigen. Dieser Vorgang kann unter anderem den Alterungsprozess beschleunigen und die Entstehung von Entzündungen fördern. Chronische Entzündungen wiederum sind assoziiert mit Erkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose und Krebs. 6-Gingerol ist dazu in der Lage, diesem Prozess auf verschiedenen Ebenen entgegen zu wirken.[1] Mehr zum antioxidativen und entzündungshemmenden Potential des Ingwers erfahren Sie unter Entzündungen.

Krebshemmend

Krebs ist eine multifaktorielle Erkrankung, bei der zuvor gesunde Zellen unkontrolliert wachsen, sich vermehren und schließlich das gesunde Gewebe verdrängen. Bei diesem Prozess spielen sowohl Entzündungen, als auch oxidativer Stress eine wichtige Rolle. 6-Gingerol wirkt sowohl anti-oxidativ, als auch entzündungshemmend und beeinflusst darüber hinaus verschiedene Schritte der Tumorentwicklung.[1,2] Mehr zu diesem Thema finden Sie unter Krebs.

Kardioprotektiv

Unter dem Begriff Herzkreislauf-Erkrankungen fallen unter anderem Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen, Embolien und viele andere. Ein Großteil dieser Erkrankungen ist assoziiert mit Übergewicht und daraus resultierenden chronischen Entzündungen. Diese führen über gestörte Blutfettwerte zu Bluthochdruck und einer Verkalkung der Gefäße. In letzter Konsequenz kann es zu Verschlüssen der Gefäße an Herz und Gehirn kommen, was sich als Herzinfarkt, bzw. Schlaganfall äußert. 6-Gingerol reduziert chronische Entzündungen, senkt die Blutfettwerte [3] und wirkt antithrombotisch.[4] Weitere Informationen zum kardioprotektiven Potential des Ingwers finden Sie unter Herzkreislauf-Erkrankungen.

Neuroprotektiv

Neurologische Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson stellen die moderne Medizin vor eine ihrer größten Herausforderungen. Diese Krankheitsbilder sind assoziiert mit Entzündungen, oxidativem Stress und der Fehlbildung von Proteinen, jedoch sind noch längst nicht alle Mechanismen abschließend geklärt. 6-Gingerole scheint neurologischen Erkrankungen entgegen wirken zu können.[5] Mehr zu diesem Thema unter Alzheimer.

Antiemetisch

Unter einer antiemetischen Wirkung versteht man die Reduktion von Übelkeit. 6-Gingerol zeigt ein ausgeprägtes antiemetisches Potential und gilt daher auch nicht umsonst als bewährtes Hausmittel bei Übelkeit. Speziell Schwangere und Patienten während einer Chemotherapie könnten von dieser Wirkung profitieren.[6,7] Weiterführende Informationen unter Übelkeit und Erbrechen.

Gegen das metabolische Syndrom und Diabetes

Als metabolisches Syndrom bezeichnet man die Kombination aus Übergewicht im Bauchbereich, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und einer gestörten Zuckertoleranz, bzw. erhöhtem Nüchternblutzucker.(8) Eine direkte Folge dieser Stoffwechselstörungen ist Diabetes mellitus Typ2. Bei dieser Erkrankung sind Zellen resistent gegen das Hormon Insulin. Insulin reguliert jedoch unter anderem die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in Muskeln und Fettgewebe. Als Folge steigt der Blutzucker und die Zuckermoleküle können körpereigenen Strukturen schädigen. 6-Gingerol nimmt positiven Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel und kann dadurch helfen, Diabetes-bedingte Folgeschäden zu reduzieren.[9] Mehr zum antidiabetischen Potential von Ingwer unter Diabetes mellitus und Abnehmen.

Bei Regelschmerzen

Regelschmerzen können die Lebensqualität von speziell jungen Frauen einmal im Monat massiv einschränken. Die regelmäßige Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut geht mit einer Freisetzung von Entzündungsmediatoren und Krämpfen einher. 6-Gingerol hat das Potential bei Regelschmerzen effektiv Linderung zu verschaffen.[10] Mehr zum Einsatz von Ingwer gegen Regelschmerzen unter Regelschmerzen.

Bei Rheuma und Arthrose

Arthritis und Arthrose zählen zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Diese Krankheitsbilder betreffen vor allem die Gelenke, können sich jedoch auch an Haut und Organen äußern. Während es sich bei Arthrose vor allem um eine Abnutzung der Gelenke handelt, liegt bei Arthritis eine chronische Entzündung der Gelenke vor. 6-Gingerol kann Entzündungen hemmen und hat ein schmerzlinderndes Potential, wodurch es bei rheumatischen Erkrankungen Linderung schaffen kann. [11,12] Weiterführende Informationen finden Sie unter Arthrose und Arthritis.

Quellen:

(1) Oyagbemi, A. A., Saba, A. B., & Azeez, O. I. (2010). Molecular targets of [6]-gingerol: Its potential roles in cancer chemoprevention. BioFactors (Oxford, England), 36(3), 169–178. https://doi.org/10.1002/biof.78

(2) Semwal, R. B., Semwal, D. K., Combrinck, S., & Viljoen, A. M. (2015). Gingerols and shogaols: Important nutraceutical principles from ginger. Phytochemistry. https://doi.org/10.1016/j.phytochem.2015.07.012

(3) Pourmasoumi, M., Hadi, A., Rafie, N., Najafgholizadeh, A., Mohammadi, H., & Rouhani, M. H. (2018). The effect of ginger supplementation on lipid profile: A systematic review and meta-analysis of clinical trials. Phytomedicine : International Journal of Phytotherapy and  Phytopharmacology, 43, 28–36. https://doi.org/10.1016/j.phymed.2018.03.043

(4) Marx, W., McKavanagh, D., McCarthy, A. L., Bird, R., Ried, K., Chan, A., & Isenring, L. (2015). The Effect of Ginger (Zingiber officinale) on Platelet Aggregation: A Systematic Literature Review. PloS One, 10(10), e0141119. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0141119

(5) Choi, J. G., Kim, S. Y., Jeong, M., & Oh, M. S. (2018). Pharmacotherapeutic potential of ginger and its compounds in age-related neurological disorders. Pharmacology & Therapeutics, 182, 56–69. https://doi.org/10.1016/j.pharmthera.2017.08.010

(6) Stanisiere, J., Mousset, P.-Y., & Lafay, S. (2018). How Safe Is Ginger Rhizome for Decreasing Nausea and Vomiting in Women during Early Pregnancy? Foods (Basel, Switzerland), 7(4). https://doi.org/10.3390/foods7040050

(7) Marx, W., Ried, K., McCarthy, A. L., Vitetta, L., Sali, A., McKavanagh, D., & Isenring, L. (2017). Ginger-Mechanism of action in chemotherapy-induced nausea and vomiting: A review. Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 57(1), 141–146. https://doi.org/10.1080/10408398.2013.865590

(8) Samson, S. L., & Garber, A. J. (2014). Metabolic syndrome. Endocrinology and Metabolism Clinics of North America. https://doi.org/10.1016/j.ecl.2013.09.009

(9) Zhu, J., Chen, H., Song, Z., Wang, X., & Sun, Z. (2018). Effects of Ginger (Zingiber officinale Roscoe) on Type 2 Diabetes Mellitus and Components of the Metabolic Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine : ECAM, 2018, 5692962. https://doi.org/10.1155/2018/5692962

(10) Chen, C. X., Barrett, B., & Kwekkeboom, K. L. (2016). Efficacy of Oral Ginger ( Zingiber officinale ) for Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-Analysis. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2016, 1–10. https://doi.org/10.1155/2016/6295737


(11) Zhu, J., Chen, H., Song, Z., Wang, X., & Sun, Z. (2018). Effects of Ginger (Zingiber officinale Roscoe) on Type 2 Diabetes Mellitus and Components of the Metabolic Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine : ECAM, 2018, 5692962. https://doi.org/10.1155/2018/5692962

(12) Bartels, E. M., Folmer, V. N., Bliddal, H., Altman, R. D., Juhl, C., Tarp, S., … Christensen, R. (2015). Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: A meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Osteoarthritis and Cartilage. https://doi.org/10.1016/j.joca.2014.09.024