Diabetes mellitus

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Hilft Ingwer bei Diabetes?

Diabetes mellitus Typ2 zählt zu den größten gesundheitlichen Problemen der westlichen Welt. Übergewicht und ein ungesunder Lebenswandel führen dazu, dass immer mehr Menschen immer früher an Diabetes erkranken. Und dabei wird die Erkrankung von vielen Menschen nach wie vor als harmlose „Zuckerkrankheit“ unterschätzt, obwohl Diabetes die Lebenszeit erwiesenermaßen signifikant verkürzt. Studien zeigen, dass Ingwer helfen könnte, dem Ausbruch und Voranschreiten von Diabetes entgegen zu wirken.

Zusammen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt Diabetes wohl zu den unmittelbarsten Folgen eines ungesunden Lebenswandels. [2] Dabei sind sich viele Menschen nicht darüber im Klaren, wieso man Diabetes bekommt, und wie gefährlich diese Erkrankung ist. Um verstehen zu können, ob und wie Ingwer bei Diabetes helfen könnte, ist es daher wichtig, sich zunächst ein Bild von dieser Krankheit zu machen.

Was ist Diabetes?

diabetes-777002_1920-300x200 Diabetes mellitus Anwendungsgebiet Diabetes mellitus ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels bedingt durch eine fehlerhafte Freisetzung, bzw. Wirkung des Hormons Insulin. Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse produziert. Seine wichtigste Funktion besteht darin, Zucker, der nach einer Mahlzeit ins Blut gelangt, in die Zellen des Körpers zu schleusen. Man unterscheidet bei Diabetes mellitus zwischen Typ1 und Typ2, die zwar ähnliche Symptome aufweisen, sich jedoch als Krankheiten grundlegend unterscheiden. [12]

Diabetes mellitus Typ1 ist die deutlich seltenere, angeborene Form. Dabei greifen Antikörper des Immunsystems fälschlicherweise die Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die Insulin produzieren. Die Folge ist, dass die Patienten überhaupt kein Insulin mehr produzieren und zukünftig auf Insulin-Injektionen angewiesen sind. In der Regel sind die Betroffenen nicht alt, die Erkrankung bricht meist im jungen Erwachsenenalter aus. [12]

Diabetes mellitus Typ1 ist angeboren. Hierbei verliert die Bauchspeicheldrüse die Fähigkeit Insulin zu produzieren

Diabetes mellitus Typ2 ist mittlerweile die häufigste Form von Diabetes, um die es sich in diesem Artikel auch hauptsächlich drehen wird. Diese Diabetes-Form ist nicht angeboren, sondern wird im Laufe des Lebens erworben. Hierbei hört die Bauchspeicheldrüse nicht spontan auf Insulin zu produzieren, sondern es kommt zu einer Resistenz-Entwicklung der Zielzellen gegen das Hormon. Dadurch ist zwar viel Insulin da, es kann jedoch nicht wirken. Langfristig können jedoch auch Typ2-Diabetiker die Fähigkeit zur Insulin-Produktion verlieren. Die Betroffenen sind bei Ausbruch der Erkrankung in der Regel schon älter, es gibt jedoch auch immer mehr junge Menschen die einen Typ2-Diabetes entwickeln. [12]

Diabetes mellitus Typ2 wird im Laufe des Lebens erworben. Die Zellen werden dabei resistent gegen Insulin

Wenn die Zellen plötzlich resistent gegen Insulin geworden sind, passieren mehrere Dinge. Zum einen kann kein Zucker mehr aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden. Der Blutzucker steigt dementsprechend an. Charakteristischerweise verspüren die Betroffenen in dieser Zeit einen gesteigerten Harndrang und Durst. Das liegt daran, dass sie verstärkt Zucker mit dem Urin ausscheiden, der in der Niere Wasser osmotisch „mitreißt“. Außerdem sind die Betroffenen müde, abgeschlagen, werden häufiger krank und verlieren schnell an Gewicht, da Insulin im Körper auch die Fettverbrennung unterbindet. [12]

Langfristig können durch den erhöhten Blutzucker Folgeschäden entstehen, da Zucker, wenn er nicht in Zellen aufgenommen wird, irgendwann toxisch wird. Er reagiert mit Proteinen in Gefäßen, Auge, Niere und Nerven. Dadurch kann es zu Wundheilungsstörungen und Arteriosklerose, Sehstörungen, Nierenversagen und nachlassender Sensibilität kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig den Blutzuckerspiegel bei Diabetes Typ2 in einem gesunden Rahmen zu halten. [12]

Langfristig kommt es bei Diabetes Typ2 durch den erhöhten Blutzucker zu Schäden an Gefäßen, Auge, Niere und Nerven

Typ2-Diabetes macht bereits jetzt den mit Abstand größten Teil der Diabetes-Erkrankungen aus. Schätzungen zu Folge werden bis 2040 10% aller Erwachsenen unter Diabetes mellitus Typ2 leiden. [1] Doch wieso gerät der Zuckerstoffwechsel von immer mehr Menschen derart außer Kontrolle?

Wieso bekommt man Diabetes?

ice-2367075_1920-300x225 Diabetes mellitus Anwendungsgebiet Das Risiko, an Diabetes Typ2 zu erkranken, steigt, wenn bereits nahe Verwandte erkrankt sind. [12] Das bedeutet jedoch nicht, dass die Krankheit zwingend irgendwann ausbricht, da der wichtigste Faktor der Lebenswandel ist. [2] Übergewicht, ungesunde Ernährung und körperliche Inaktivität gelten als wichtigste Risikofaktoren für den Ausbruch von Diabetes Typ2. Doch wie funktioniert das?

Die Entstehung von Diabetes Typ2 wird im Wesentlichen durch das Immunsystem bedingt. Bei starker Zunahme von Fett im Bauchbereich gehen zunächst einzelne Fettzellen zu Grunde. Dadurch, das so viel Fett in die Fettzellen eingelagert wird, wächst das Gewebe besonders schnell und es kann passieren, das einzelne Zellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Gleichzeitig setzen die Fettzellen verstärkt Entzündungsmediatoren frei, die jetzt Immunzellen anlocken, um die abgestorbenen Fettzellen zu beseitigen. Diese Immunzellen haben verglichen mit den Immunzellen im Fettgewebe von Normalgewichtigen eine stärkere entzündungsfördernde Wirkung, sodass nun immer mehr entzündungsfördernde Stoffe ins Blut freigesetzt werden. Man spricht von einem Zustand chronischer Entzündung (siehe hierzu auch Entzündungen). [2]

Hinzu kommt, dass bei ungesunder Ernährung möglicherweise auch der Darm als potentieller Entzündungsherd eine Rolle spielt. Bei einer unausgewogenen Ernährung reich an Fett und Zucker steigt die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Dadurch können bakterielle Abbauprodukte aus dem Darm ins Blut gelangen, wo sie die Immunzellen zur Produktion weiterer Entzündungsmediatoren anregen. Darüber hinaus kann man bei unausgewogener Ernährung eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien beobachten, was ebenfalls mit einem Zustand chronischer Entzündung assoziiert ist. [4] (siehe hierzu auch Entzündungen).

Übergewicht und ungesunde Ernährung führen zu chronischen Entzündungen im Körper

Im Rahmen der chronischen Entzündung zirkulieren nun zahlreiche Entzündungsmediatoren im Blut, unter anderem sogenannte Interleukine und TNFa. Diese Moleküle wirken nun auf die Zellen, die von Insulin beeinflusst werden, allen voran Muskel- und Leberzellen. Dort verhindern sie, dass der Insulin-Rezeptor bei Bindung von Insulin vernünftig aktiviert wird. Die Zellen werden insulin-resistent. [2] Verschlimmert wird dieser Zustand dadurch, dass die Fettzellen aufhören das Hormon Adiponektin zu produzieren [5], das normalerweise die Insulin-Sensitivität der Zellen steigert. Auch konnte man in Studien beobachten, dass körperliche Inaktivität unabhängig von Gewicht und Ernährung ebenfalls Insulin-Resistenz begünstigt. [6]

Entzündungsmediatoren, körperliche Inaktivität und ein erniedrigter Spiegel von Adiponektin führen zur Insulin-Resistenz der Zellen

Langfristig reagieren auch die Zellen der Bauchspeicheldrüse auf den erhöhten Blutzucker. Zunächst produzieren sie noch verstärkt Insulin, in der Hoffnung dadurch die Resistenz zu kompensieren. Nach einiger Zeit führt das erhöhte Aufkommen von Zucker auch in diesen Zellen zu einer Entzündungsreaktion, die letztlich in einem Ausbleiben der Insulin-Produktion resultiert. [3]

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Ingwer kann der Entstehung von Diabetes an verschiedenen Stellen entgegen wirken. Er hemmt chronische Entzündungen und verhindert dadurch die Entstehung der Insulin-Resistenz der Zellen. Zugleich wirkt er direkt positiv auf den gestörten Zuckerstoffwechsel.

 

Wie kann Ingwer bei Diabetes helfen?

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 fasste den aktuellen Forschungsstand zur Wirkung von Ingwer bei Diabetes, bzw. erhöhtem Diabetes-Risiko zusammen. Demnach existieren mindestens 10 Humanstudien mit insgesamt 490 Probanden, in denen mit leichten Abweichungen ein durchgängig positiver Einfluss von Ingwer bei Diabetes dokumentiert wurde. [7]

Zunächst einmal wirkt Ingwer entzündungshemmend. Seine Scharfstoffe, allen voran 6-Gingerol und 6-Shogaol, hemmen das zentrale Molekül NF-kB. Dadurch wird die Synthese verschiedener weiterer Entzündungsmediatoren gehemmt. Außerdem blockieren sie das Enzym COX2, welches unter Einfluss von NF-kB freigesetzt wird. Dieses Enzym findet sich vor allem in geschädigtem Gewebe und dient dort der Produktion von entzündungsfördernden Prostaglandinen. Sie unterbinden dadurch letztlich die Freisetzung der Entzündungsmediatoren an mehreren Stellen. [8]

Ingwer hemmt chronische Entzündungen

Darüber hinaus kann Ingwer die Darmgesundheit verbessern. Er fördert das Wachstum gesunder Bakterienstämme und hemmt zugleich die schädlichen. [9] In Zellkulturen konnte Ingwer außerdem die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut reduzieren, wodurch ebenfalls chronischen Entzündungen entgegen gewirkt wird. [10]

Ingwer reduziert Entzündungen durch Förderung der Darmgesundheit

Ingwer kann die Blutzuckerkontrolle verbessern und die Insulin-Resistenz reduzieren. Das zeigt sich in einem erniedrigten Nüchtern- und Langzeitblutzuckerspiegel (HbA1c) und einer gesteigerten Insulin-Sensitivität. Dieser Effekt war besonders bei den Patienten ausgeprägt, die bereits an Diabetes erkrankt waren. [7]

Die Blutzucker-senkende Wirkung von Ingwer kann durch mehrere Mechanismen erklärt werden. Neben der entzündungshemmenden Wirkung stimuliert Ingwer das Enzym AMP-Kinase, dass die Verstoffwechselung von Zucker verbessert. Ingwer könnte auch den Einbau von Zucker-Transportern in Muskel- und Fettzellen steigern, wodurch die Zuckeraufnahme erleichtert werden würde. Außerdem steigert Ingwer die Freisetzung von Adiponektin und aktiviert das Molekül PPARy, das wiederum die Entzündungsreaktion unterbricht, die für die Insulin-Resistenz verantwortlich ist. [7]

Ingwer senkt Nüchtern- und Langzeitblutzuckerspiegel und reduziert die Insulin-Resistenz der Zellen

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Neben dem Blutzucker sind bei vielen Diabetikern und Übergewichtigen auch die Blutfettwerte erhöht. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich an. Ingwer kann sowohl bei Diabetes-Patienten, als auch generell bei erhöhten Blutfettwerten das negative LDL-Cholesterin und die Triglyceride senken. Dadurch reduziert er zusätzlich das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen von Diabetes. [7,11]

Ingwer senkt die Blutfettwerte

Ingwer kann einen wertvollen Beitrag zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes mellitus Typ2 leisten. Er lindert chronische Entzündungen, verbessert die Darmgesundheit, fördert die Blutzuckerkontrolle und senkt die Blutfettwerte. [7] Dabei sollte man jedoch nicht aus den Augen verlieren, das die wichtigsten Maßnahmen bei Diabetes Gewichtsreduktion durch gesunde Ernährung und Bewegung sind. Da führt auch Ingwer nicht dran vorbei. Trotzdem lohnt es sich gerade als Risikopatient regelmäßig zu frischem Ingwer, oder einem hochwertigen Ingwer-Extrakt zu greifen.

 

Quellen:

(1)  International Diabetes Federation, Idf Diabetes Atlas, 7th edition,2015,http://www.diabetesatlas.org/[accessed27.07.17].

(2) Patel, P. S., Buras, E. D., & Balasubramanyam, A. (2013). The role of the immune system in obesity and insulin resistance. Journal of Obesity, 2013, 61619

(3) Donath, M. Y. (2013). Targeting inflammation in the treatment of type 2 diabetes. Diabetes, Obesity & Metabolism, 15 Suppl 3, 193–196. https://doi.org/10.1111/dom.121723. https://doi.org/10.1155/2013/616193

(4) Fandriks, L. (2017). Roles of the gut in the metabolic syndrome: an overview. Journal of Internal Medicine, 281(4), 319–336. https://doi.org/10.1111/joim.12584

(5) Kershaw, E. E., & Flier, J. S. (2004). Adipose tissue as an endocrine organ. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 89(6), 2548–2556. https://doi.org/10.1210/jc.2004-0395

(6) Gratas-Delamarche, A., Derbre, F., Vincent, S., & Cillard, J. (2014). Physical inactivity, insulin resistance, and the oxidative-inflammatory loop. Free Radical Research, 48(1), 93–108. https://doi.org/10.3109/10715762.2013.847528

(7) Zhu, J., Chen, H., Song, Z., Wang, X., & Sun, Z. (2018). Effects of Ginger (Zingiber officinale Roscoe) on Type 2 Diabetes Mellitus and Components of the Metabolic Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine : ECAM, 2018, 5692962. https://doi.org/10.1155/2018/5692962

(8) Semwal, R. B., Semwal, D. K., Combrinck, S., & Viljoen, A. M. (2015). Gingerols and shogaols: Important nutraceutical principles from ginger. Phytochemistry. https://doi.org/10.1016/j.phytochem.2015.07.012

(9) Lu, Q.-Y., Summanen, P. H., Lee, R.-P., Huang, J., Henning, S. M., Heber, D., … Li, Z. (2017). Prebiotic Potential and Chemical Composition of Seven Culinary Spice Extracts. Journal of Food Science, 82(8), 1807–1813. https://doi.org/10.1111/1750-3841.13792

(10)Kim, Y., Kim, D.-M., & Kim, J. Y. (2017). Ginger Extract Suppresses Inflammatory Response and Maintains Barrier Function in Human Colonic Epithelial Caco-2 Cells Exposed to Inflammatory Mediators. Journal of Food Science, 82(5), 1264–1270. https://doi.org/10.1111/1750-3841.13695

(11) Pourmasoumi, M., Hadi, A., Rafie, N., Najafgholizadeh, A., Mohammadi, H., & Rouhani, M. H. (2018). The effect of ginger supplementation on lipid profile: A systematic review and meta-analysis of clinical trials. Phytomedicine : International Journal of Phytotherapy and Phytopharmacology, 43, 28–36. https://doi.org/10.1016/j.phymed.2018.03.043

(12) https://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus