Welchen gesundheitlichen Vorteil hat der Verzehr von Ingwertee, Ingwersaft & Co.?

Ingwer – Mehr als nur Gewürz

Ingwer ist eine vielseitige asiatische Wurzel, die nicht nur als frische Knolle sehr beliebt ist, sondern auch gerne als Gewürz oder auch in Getränken verwendet wird. Was viele nicht wissen, Ingwer ist seit Jahren Gegenstand vieler wissenschaftlicher Forschungen. Seine zahlreichen Inhaltsstoffe weisen vielversprechende Wirkweisen auf die Gesundheit auf, daher decken aktuelle Forschungen zu Ingwer ein großes medizinisches Feld ab: von der normalen Erkältung im Winter, über die Volkskrankheit Diabetes mellitus Typ 2, bis hin zur häufigsten Erkrankung des zentralen Nervensystems – Morbus Alzheimer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Ingwer-Getränke sich zunehmend großer Beliebtheit erfreuen und ihnen zahlreiche positive Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt werden. Hier erfahren Sie, warum Ingwertee und Ingwerwasser nur bedingt die Gesundheit unterstützen und worauf man beim Kauf von Ingwer-Extrakten achten sollte!

Ingwertee nur in der Erkältungssaison?

In der Herbst- und Winterzeit ist Ingwer eine beliebte Wurzel, die gerne zur Vorbeugung einer Erkältung konsumiert wird. Vor allem der Ingwertee ist weit verbreitet, denn aufgrund seiner wärmenden Wirkung und der besonders einfachen Zubereitung greifen immer mehr Menschen zum hausgemachten Tee als natürlicher Schutz in der Erkältungs- und Grippezeit. Ingwertee wirkt nämlich entzündungshemmend, antioxidativ und kann bei regelmäßiger Anwendung das Immunsystem stärken. Das beliebte Hausmittel soll auch einigen Studien zufolge beim Abnehmen helfen, denn die Inhaltsstoffe der Ingwerknolle wirken auf die Verdauung und stimulieren den Energiestoffwechsel. In Tierstudien konnte auch bereits nachgewiesen werden, dass Ingwer nicht nur das Wachstum der Fettzellen hemmt, sondern auch eine Reduktion der Leberverfettung bewirken kann. Diese gesundheitsfördernden Wirkweisen werden jedoch stark abgeschwächt, sobald Ingwer in Berührung mit kochendem Wasser gelangt. Insbesondere die immunologische Wirkung des Ingwers reduziert sich deutlich. In Studien, bei denen mehrere indische Gewürze auf ihre Hitzebeständigkeit getestet wurden, war Ingwer, wie auch Senf und Knoblauch, innerhalb einer 20-minütigen Hitzebelastung antibakteriell unwirksam. [1] Beim starken Erhitzen des Ingwers gehen nämlich die vielversprechenden Inhaltsstoffe überwiegend verloren und eine Umwandlung vom Scharfstoff Gingerol in den vielfach stärkeren Wirkstoff Shogaol findet auch nicht statt. Dazu benötigt es ein schonenderes Trocknungsverfahren.

Ingwer-Saftschorle und Ingwerlikör

Ingwer kann aber nicht nur als Tee zubereitet werden, sondern auch als Ingwersaft oder Ingwerlikör. Um Ingwersaft selbst herzustellen, kann man die Knolle zusammen mit Obst oder Gemüse entsaften und je nach Bedarf mit Wasser oder Sprudel verdünnen. Es gibt aber mittlerweile auch viele Fertigsäfte. Allerdings sollte man von den meisten dieser Ingwer-Säfte und Ingwer-Schorlen nicht zu viel gesundheitsfördernde Wirkung erwarten. Denn ein Blick auf die Zutatenliste zeigt oftmals, dass die Platzierung vom Ingwer weit unten bei der Inhaltsstofftabelle liegt, was meistens ein Hinweis auf einen sehr geringen Anteil dieser Zutat ist. Zudem werden die fertigen Getränke durch Erwärmung haltbar gemacht, was den Anteil an Wirkstoffen wieder stark beeinträchtigt. Die gewünschten Vorteile durch den Konsum von Ingwer-Säften oder Schorlen bleiben somit überwiegend aus. (Mehr Informationen zu weiteren Ingwer-Getränken finden Sie hier.)

Die Herstellung des Ingwerlikörs ist ähnlich wie beim Ingwertee. Der Ingwer wird nach Belieben mit zahlreichen weiteren Zutaten erhitzt und mit reichlich Zucker, Honig oder Agavendicksaft abgeschmeckt. Sobald alles abgekühlt ist, wird der Tee mit Alkohol aufgefüllt und für längere Zeit stehen gelassen, um ziehen zu können. Auch wenn die Zubereitung recht einfach ist, ist der gesundheitliche Mehrwert des Ingwer-Likörs gleich null. Bei der Zubereitung, sowohl durch das Erhitzen als auch den Zusatz von Alkohol, wird die positive Wirkung des Ingwers komplett aufgehoben. Während Ingwer in seiner Wirkungsweise die Lipolyse, also die Fettspaltung, stimuliert, bewirkt der enthaltene Alkohol, der sich bei den meisten Produkten zwischen 30-35% Vol. befindet, genau das Gegenteil und hemmt diesen Prozess. Freie Fettsäuren werden somit besser und schneller von den Fettzellen aufgenommen und begünstigen abdominelle Fettanlagerung, also Fettablagerungen im Bauchbereich, die wiederum ein Risikofaktor für Diabetes mellitus Typ 2 sind. Zudem werden während der Likörherstellung zugunsten des Alkohols die Gemische stark erhitzt, was wiederum zum Zerfall der 6-Gingerole führt und dessen positive Wirkung dadurch ausbleibt. [2] Somit sind Ingwer-Getränke zwar schmackhafte Genussmittel, eine effektive Wirkung bei Krankheiten oder auch die Vorbeugung von Erkrankungen kann jedoch nicht genau belegt werden. Aber gibt es denn eine Alternative zu Ingwer-Getränken und frischem Ingwer, die sowohl die Vorteile der wichtigen Scharfstoffe vereint als auch das ganze Spektrum der Ingwerwurzel abdeckt?


Ingwer-Extrakte als gesundheitsfördernde Nahrungsergänzung?

Der neueste Trend bei Ingwer-Produkten sind Ingwer-Extrakte, die in Kapsel- oder Tablettenform angeboten werden. Doch welchen gesundheitlichen Nutzen haben diese Nahrungsergänzungen? Können sie eventuell auch schädlich für die Gesundheit sein? Der Nachteil von frischem Ingwer oder auch Ingwer-Getränken ist, dass die wertvollen Inhaltsstoffe entweder nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden können oder beim Herstellungsprozess verloren gehen. Bei hochwertigen Ingwer-Extrakten ist das in der Regel nicht der Fall. Mit dem richtigen Verfahren können die zahlreichen Inhaltsstoffe des Ingwers extrahiert werden und bleiben so in ihrer Ursprünglichkeit erhalten. Zudem schafft eine schonende kontrollierte Trocknung die ideale, angepasste Hitzeeinwirkung, um die wertvollen Scharfstoffe Gingerol und Shogaol in hochkonzentrierter Form aus der Ingwer-Knolle auslösen zu können. Allerdings sind solche Extrakte sehr selten auf dem Markt und sind preislich eher im oberen Segment anzufinden. Denn die meisten Ingwer-Kapseln bieten lediglich einfaches, getrocknetes Ingwerpulver, das weder hochkonzentrierte Wirkstoffe enthält noch schonend hergestellt wird. Aufgrund der starken Nachfrage nach Ingwer stammen die Rohstoffe bei besonders günstigen Produkten meist aus China, diese sind häufig mit Schadstoffen belastet oder werden künstlich hochgezüchtet. Daher sollte beim Kauf von Ingwer-Extrakten oder auch Ingwer-Kapseln darauf geachtet werden, dass traditionelle, alte Ingwer-Sorten aus biologisch nachhaltigem Anbau – vorwiegend nicht aus China – für die Extraktion verwendet wurden. Besonders alte Sorten haben zudem den Vorteil, dass sie ein sehr breites Spektrum an wertvollen Inhaltsstoffen abdecken, die in den neueren Ingwer-Sorten überwiegend weggezüchtet wurden.  Ein Tipp: Lassen Sie sich gerne auch die Analysen der Hersteller zeigen – seriöse Anbieter gehen mit dem Thema transparent um!

Zusammenfassend kann man sagen, dass Ingwer-Getränke, wie Tee oder Saftschorlen zu einer gesunden Ernährung dazu gehören sollten. Allerdings bieten fertige Getränke mit Ingwer-Zusätzen kaum nennenswerten, gesundheitlichen Mehrwert. Ingwer-extrakte hingegen können bei guter Qualität die Gesundheit fördern und unterstützen. Weitere Informationen zur Wirkung, aktueller Ingwer-Forschung und Anwendungsgebieten.

Quellen

  1. Chen HC, Chang MD, Chang TJ, (1985). Antibacterial properties of some spice plants before and after heat treatment https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/4064797
  2. Shi Jin-Cheng, Peng Ning, Huang Xue-Song, (2011). Effects of heating temperature and alcohol content on the 6-gingerol in ginger liquor (http://en.cnki.com.cn/Article_en/CJFDTOTAL-GDNY201114035.htm)