Ingwer – eine natürliche Unterstützung für die Verdauung?

Ingwer ist eine Wurzel, die schon seit Jahrhunderten aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften konsumiert wird. Er enthält zahlreiche Inhaltsstoffe, die sich positiv auf die Verdauung, Magen und Darm auswirken. Somit dient er als natürliche Alternative zur Linderung und Vorbeugung von Magen-Darm-Beschwerden und -Erkrankungen. In diesem Beitrag werden die genauen Wirkmechanismen von Ingwer auf die Gesundheit des Magen-Darm-Traktes erläutert.

Wie funktioniert die Verdauung?

Um die Wirkung von Ingwer auf den Körper genauer zu verstehen, wird zunächst ein Überblick über den Verdauungstrakt gegeben. Die Verdauung beginnt bereits im Mund und involviert eine Reihe von Organen, die zusammenarbeiten, um die Nahrung zu verarbeiten. Zu diesen Organen gehören:

  • Mundhöhle:
    • Mechanische Zerkleinerung der Nahrung durch Zähne, Lippen und Zunge
    • Nahrung wird durch das Sekret der Speicheldrüsen gleitfähig gemacht
  • Mittlerer und unterer Teil des Rachens (Schlund)
    • Die Rachenmuskulatur ermöglicht das Schlucken von zerkleinerter Nahrung und verhindert, dass diese in die Luftröhre gelangt
  • Speiseröhre
    • Transport von Nahrung aus dem Rachen in den Magen
  • Magen
    • Chemische Zerkleinerung der Nahrung durch den sauren Magensaft
    • Nach 1 bis 5 Stunden Weitertransport in den Dünndarm
  • Dünndarm
    • Abbau von Nährstoffen durch Enzyme der Bauchspeicheldrüse zu resorbierbaren Bestandteilen
      • Kohlenhydrate zu einfachen Zuckern
      • Eiweiße zu Aminosäuren
      • Fette zu Fettsäuren und Glycerin (mithilfe von Gallensäuren)
    • Aufnahme von Nährstoffen, die ins Blut gelangen und schließlich über die Pfortader in die Leber transportiert werden
  • Dickdarm
    • Unverdauliche Nahrungsreste werden im Dickdarm durch Bakterien in Gärungs- und Fäulnisprozessen zersetzt
    • Transport der Nahrungsreste in den Mastdarm, um die Ausscheidung der Nahrungsreste zu ermöglichen (1)
Organe des Verdauungssystems
Organe des Verdauungssystems

Die Kraft des Ingwers

Ingwer ist das bekannte Rhizom (Wurzel) der Pflanze „Zingiber officinale“. Er wird seit vielen Jahrhunderten als natürliches Heilmittel verwendet. Ingwer enthält zahlreiche Verbindungen wie Gingerol, Shogaol und Zingiberen, die seinen charakteristischen Geschmack und Geruch bestimmen. Neben Kohlenhydraten und Lipiden enthält Ingwer auch Terpene, phenolische Verbindungen und wichtige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien. Diese Inhaltsstoffe machen Ingwer zu einer gesundheitsfördernden Wurzel mit seinen entzündungshemmenden, antioxidativen, antitumoralen und antikanzerogenen Eigenschaften (2).

Wie beeinflusst Ingwer den Verdauungstrakt?

In Bezug auf die Verdauung wirken die in Ingwer enthaltenen Stoffe Gingerol und Shogaol besonders effektiv. Sie haben antioxidative Eigenschaften und schützen somit Zellen vor freien Radikalen. Freie Radikale greifen gesunde Zellen an, wodurch Beschwerden und Erkrankungen entstehen. Dabei wird durch den Konsum von Ingwer die Aktivität bestimmter Enzyme beeinflusst, die Zellen vor oxidativem Stress schützen. Außerdem reduzieren die Inhaltsstoffe des Ingwers Entzündungen, indem sie entzündungsfördernde Proteine wie TNF-α, IL-1β und IL-6 hemmen (3).

Des Weiteren unterstützt Ingwer die Funktion des Ösophagussphinkters. Dabei handelt es sich um Muskeln, die sich im unteren Teil der Speiseröhre befinden. Sie verhindern, dass Nahrung und Magensaft zurück in die Speiseröhre fließen (4). Auch wird die Kontraktionsgeschwindigkeit der Speiseröhre reguliert, was ebenfalls die Verdauung fördert.

Ingwer hat ebenfalls einen positiven Einfluss auf bestimmte Rezeptoren im Verdauungstrakt. Auf diesem Weg wird die Muskelentspannung gefördert und Krämpfe verringert. Auch wird die Zeit verkürzt, in der saurer Mageninhalt mit der Magenschleimhaut in Kontakt kommt. Dadurch wird die Entstehung von Magenbeschwerden und Geschwüren verhindert. Außerdem regt Ingwer die Produktion von Schleim an, welcher die Magenwände schützt.

Zudem trägt Ingwer dazu bei, Übelkeit und Erbrechen zu lindern. Seine Inhaltsstoffe hemmen die Wirkung der Serotoninrezeptoren 5-HT3 und 5-HT4, welche sich im Magen-Darm-Trakt befinden. Sie leiten Signale für Übelkeit und Erbrechen in das zentrale Nervensystem weiter. Der Konsum von Ingwer kann also unangenehme Beschwerden in verschiedenen Lebensabschnitten lindern. Häufig ist das der Fall in der Schwangerschaft, nach Operationen, während Chemotherapien, aber auch bei Reise- und Seekrankheit (5).

Wie wirkt Ingwer auf den Magen?

Ingwer beschleunigt die Entleerung des Magens und stimuliert die Kontraktion des Antrum (Magenausgangs). Das Antrum ist daran beteiligt, Nahrung zu zerkleinern und zu vermischen, damit sie besser verdaut wird. Wird dieser Verdauungsprozess gestört, treten Magen-Darm-Beschwerden wie Dyspepsie und Übelkeit auf. Symptome von Dyspepsie sind verbunden mit den Mahlzeiten, das heißt sie entstehen unmittelbar nach Nahrungsaufnahme. Dabei kann es sich um frühzeitiges Sättigungsgefühl, Schmerzen, Brennen und Unwohlsein im Bereich des Oberbauchs, Aufstoßen und Blähungen handeln (2).

Ingwer hemmt außerdem die Aktivität des Bakteriums H. pylori. Ist dieses Bakterium im Magen vorhanden, kann es die Magenschleimhaut angreifen. Dadurch kommt es zu einer Entzündung, welche wiederum Folgebeschwerden wie Gastritis, Magengeschwüre und Magenkrebs begünstigt (5).

Auch wenn Ingwer eine Vielzahl an gesundheitsfördernden Eigenschaften aufweist, kann es bei bestimmten Menschen zu negativen Reaktionen kommen. Der Verzehr von Ingwer verursacht in seltenen Fällen Nebenwirkungen wie Sodbrennen, Aufstoßen, Blutergüsse, Ausschlag und Unwohlsein. Jedoch betonen Studien, dass das Risiko zur Entstehung unerwünschter Symptome aufgrund von Ingwerkonsum gering ist. Die Toleranzschwelle ist jedoch bei jedem Menschen individuell und man sollte sich herantasten (2).

Magenbeschwerden im Unterbauch

Wie wirkt Ingwer auf den Darm?

Eine regelmäßige Ingwereinnahme trägt zu einer ausgewogenen Darmflora bei. Ist die Darmflora ausgewogen, dann wird das Risiko für die Entstehung von Beschwerden und Krankheiten vermindert. Zudem wird dadurch eine ausreichende Aufnahme von Nährstoffen und deren Transport ermöglicht. Außerdem ist eine gesunde Darmflora grundlegend für die Energiebereitstellung im Körper und die Funktionalität des Immunsystems (6).

In mehreren Studien wurden die Effekte von Ingwer auf entzündliche Darmerkrankungen, wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, untersucht. Diese Krankheiten entstehen durch entzündliche Prozesse im Darm. Die Folge können verschiedene Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust und Müdigkeit sein.

Die oben genannten Beschwerden werden häufig medikamentös behandelt. Jedoch könnte sich die Einnahme von Ingwer als eine natürliche Alternative eignen. Er kann unterstützend zur bestehenden Behandlung, aber auch vorbeugend wirken. Es ist jedoch wichtig, vor der Verwendung die Einnahme von Ingwer mit dem behandelten Arzt zu besprechen (3).

Fazit

Ingwer wird nicht ohne Grund häufig als eine Wunderwurzel bezeichnet. Die Knolle hat antioxidative, entzündungshemmende, antitumorale und antikanzerogene Eigenschaften. Die Inhaltsstoffe fördern die Gesundheit des Magen-Darm-Trakts. Sie dienen nicht nur der Bekämpfung von gesundheitsschädlichen Zellen, sondern ermöglichen auch eine schnellere Entleerung des Magens.

Ebenfalls wird die Magenschleimhaut durch eine Anregung der Schleimproduktion geschützt und bestimmte Serotoninrezeptoren reguliert. Außerdem trägt ein regelmäßiger Konsum von Ingwer zu einer ausgewogenen Darmflora bei, was die Nährstoffaufnahme und das Immunsystem fördert.

Durch seine entzündungshemmenden Eigenschaften kann Ingwer außerdem bei entzündlichen Darmerkrankungen helfen. Das macht Ingwer zu einer wertvollen, pflanzlichen Arznei, sowohl präventiv als auch bei akuten Beschwerden.

Quellen

  1. Faller A, Schünke M. Der Körper des Menschen: Einführung in Bau und Funktion. 18., unveränderte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.
  2. Nikkhah Bodagh M, Maleki I, Hekmatdoost A. Ginger in gastrointestinal disorders: A systematic review of clinical trials. Food Sci Nutr 2019; 7(1):96–108. doi: 10.1002/fsn3.807.
  3. Lashgari N-A, Momeni Roudsari N, Khayatan D, Shayan M, Momtaz S, Roufogalis BD et al. Ginger and its constituents: Role in treatment of inflammatory bowel disease. Biofactors 2022; 48(1):7–21. doi: 10.1002/biof.1808.
  4. Lynch Lee, Kristle. Achalasie; 2022 [Stand: 26.03.2024]. Verfügbar unter: https://www.msdmanuals.com/de/heim/verdauungsst%C3%B6rungen/speiser%C3%B6hrenerkrankungen-und-schluckst%C3%B6rungen/achalasie.
  5. Haniadka R, Saldanha E, Sunita V, Palatty PL, Fayad R, Baliga MS. A review of the gastroprotective effects of ginger (Zingiber officinale Roscoe). Food Funct 2013; 4(6):845–55. doi: 10.1039/c3fo30337c.
  6. Guo S, Geng W, Chen S, Wang L, Rong X, Wang S et al. Ginger Alleviates DSS-Induced Ulcerative Colitis Severity by Improving the Diversity and Function of Gut Microbiota. Front Pharmacol 2021; 12:632569. doi: 10.3389/fphar.2021.632569.