Ingwerpulver vs. Ingwer-Extrakt

Was ist Ingwerpulver und wofür kann man es verwenden?

Ingwerpulver ist für das Abschmecken von Speisen ein beliebtes Hausmittel in der Gewürz-Küche. Es schmeckt würzig, leicht scharf mit einem süßlichen Beigeschmack und eignet sich sehr gut für das Würzen von Suppen und Eintöpfen. Neben dem charakteristischen Geschmack hat Ingwerpulver jedoch weitaus mehr zu bieten und übertrifft in seinem gesundheitlichen Nutzen die native Ingwer-Knolle bei Weitem.

Ingwerpulver auf einem LöffelDie Ingwer Knolle ist dem Menschen schon seit Tausenden von Jahren bekannt und wurde schon von den Legionären zum Heilen von Krankheiten genutzt. Da viele Wirkmechanismen noch unbekannt sind, wird daher nach wie vor über den Zingiber officinale, wie er mit seinem botanischen Namen herkömmlich benannt ist, in der Wissenschaft viel geforscht. Die therapeutischen Möglichkeiten von Ingwer, die sich aus der Forschung bereits ergeben haben, sind sehr vielseitig. So wirkt Ingwer beispielsweise entzündungshemmend, was bei Krankheiten wie Infektionen und der Zuckerkrankheit sehr hilfreich ist.

Dem neusten wissenschaftlichen Kenntnisstand nach können die natürlichen Scharfstoffe, die im Ingwer enthalten sind, sogar bei Krebstherapien helfen. Wissenschaftler der Deakin Universität in Australien fanden beispielsweise heraus, dass die Gabe von Ingwer-Bestandteilen die Streuung und Teilung von Brustkrebs-Zellen erfolgreich hemmen kann. (1) Aber auch andere Krebsarten wie das Colon-Karzinom, ein bösartiger Tumor im Dickdarm, sprachen auf die Therapie mit den Scharfstoffen Gingerol und Shogaol sehr gut an. (2) Mehr Informationen, wie Ingwer auf maligne Zellneubildungen wirkt, finden Sie bei Krebs.

Ingwerpulver selber machen: So geht's

Das Pulver, was man im Handel erwerben kann, hat jedoch mehrere Nachteile. Zu allererst weiß man als Käufer nicht, unter welchen Umständen die Knolle kultiviert wurde. Zudem werden bei vielen Ingwerpulvern weitere Stoffe hinzugefügt, beispielsweise Zucker getarnt als Maltodextrin, um den süßlichen Geschmack zu verstärken oder auch Konservierungsmittel, um es haltbarer zu machen. Um sicher zu sein, dass man natürliches, biologisch-angebautes Ingwerpulver ohne Zusatzstoffe nutzt, kann man das Ingwerpulver auch selbst herstellen (Abbildung 1).

Was viele Anbieter jedoch verschweigen: Ingwerpulver steht mit seinem therapeutischen Nutzen nicht an erster Stelle der wirkungsvollsten Ingwer-Produkte. Denn hochwertiger Ingwer-Extrakt, der die Scharfstoffe in konzentrierter Form enthält, ist in seiner Wirkung durchaus potenter.

Welchen Nachteil hat Ingwer bei der Verwendung als frische Knolle?

Die gängigste Variante, Ingwer zu sich zu nehmen, ist als Verzehr der frischen Ingwerwurzel. Da unser Verdauungstrakt in der Lage ist, die Scharfstoffe aus der Pflanze herauszulösen und zu verdauen, kann man die Wurzel ganz normal essen. Der frische Ingwer besteht zu Dreiviertel aus Wasser und müsste daher in stark erhöhtem Maße verzehrt werden, um die gleiche Wirkung hervorzurufen wie getrockneter Ingwer. Allerdings ist das den meisten Menschen aufgrund der starken Schärfe unangenehm, weshalb Ingwertee und Ingwerschorlen zu sich genommen wird.

Beim Ingwertee gehen jedoch die meisten Gingerole durch das heiße Wasser verloren und werden wirkungslos. Wenn man Ingwertee aus der Vorliebe für Tee trotzdem zu sich nehmen möchte, empfiehlt sich hier, Ingwerpulver zu verwenden. Dadurch nimmt man die Ingwer-Komponenten beim Trinken zu sich, anders als bei der herkömmlichen Variante, wo die Ingwerstücke in der Tasse zurückbleiben. In den Fruchtschorlen, denen Ingwer zugemischt ist, bleibt der gewünschte Effekt ebenfalls aus, da meist zu wenig Ingwer im Produkt enthalten ist und nicht richtig aufbereitet wurde.

Ingwer-Extrakt als wirkungsvollste Alternative zu Ingwerpulver

Um von den therapeutischen Vorteilen durch Ingwer profitieren zu können, geht daher der Trend immer mehr zu Ingwer-Extrakten. Diese beinhalten die Inhaltsstoffe der Wurzel in hochkonzentrierter Form. Zuerst werden die Ingwerwurzeln für die Herstellung getrocknet, wobei nur wenige Komponenten verloren gehen und die Gingerole zum Teil in Shogaole umgewandelt werden. Shogaole sind bis zu drei Mal schärfer, haben dafür aber auch einen stärkeren, gesundheitlichen Effekt.

Diese Effekte unterscheiden sich jedoch wiederum, je nach Produkt. Manche Extrakte beinhalten in ihrer Zubereitung 3% Scharfstoffe, während andere weitaus mehr Anteile an Scharfstoffen haben und dadurch auch effektiver in ihrer Wirkung bei Beschwerden sind. Neben der Zusammensetzung gibt es noch weitere Qualitätsstandards, auf die man beim Kauf achten sollte.

Worauf ist beim Kauf von Ingwer-Extrakten zu achten?

Verkapseltes Ingwer-PulverBio-Qualität bei Ingwer-Extrakten

Zu allererst sollte man auf die Art des Anbaus achten. Biologisch angebaute Lebensmittel werden weitestgehend von Pestiziden geschont und enthalten dadurch weniger Schadstoffe, die beim Verzehr zu sich genommen werden. Dadurch ist eine Bio-Variante einem konventionell gezüchteten Lebensmittel vorzuziehen.

Herkunft von Ingwer

Leider kann man Ingwer in Deutschland nicht im großen Maß anbauen, da die Temperaturen dafür nicht warm und konstant genug sind und man darauf angewiesen ist, Ingwer zu importieren. Daher ist der zweite wichtige Hinweis, genau auf das Ursprungsland des Produktes zu achten. Ingwer, der beispielsweise aus China importiert wird, unterliegt weitaus niedrigeren Standards als Ingwer aus Nigeria oder Peru und dadurch können Qualitätsunterschiede im verarbeiteten Produkt gewaltig sein. Wer sich sicher sein möchte, dass sein Bio-Produkt überwiegend pestizidfrei angebaut wurde, sollte auf Bio-Ingwer aus Indien, Sri Lanka oder Afrika zurückgreifen. Dort findet der Anbau noch auf kleinerer Fläche statt und es wird mit älteren, traditionellen Ingwersorten gearbeitet, die noch von Pestiziden verschont geblieben sind.

Inhaltsstoffe des Ingwer-Extrakts

Ein weiteres Kriterium ist die Zusammensetzung. Wie auch beim Kurkuma-Spiking, bei dem das Kurkuma-Produkt mit Füllstoffen gestreckt wird, beinhalten auch manche Ingwer-Produkte Zusatzstoffe, die beigemischt werden. Daher sollte ein Blick auf die Zutatenliste geworfen und nur bei Händlern eingekauft werden, die auf Anfrage ein aktuelles Analyse-Zertifikat vorzeigen können, um die Gefahr von synthetischen zugemischten Stoffen ausschließen zu können. So kann man sichergehen, dass der Ingwer-Extrakt nicht verunreinigt ist. Weiterhin gibt es mittlerweile so genannte holistische Ingwer-Präparate, die nicht nur isolierte Wirkstoffe beinhalten, sondern sogar zahlreiche weitere Ingwer-eigene Inhaltsstoffe. Diese Ingwer-Präparate sind hochkonzentriert und bieten die ganze Ingwer-Wurzel in einer Kapsel. Das erleichtert sowohl die regelmäßige Einnahme von Ingwer und ist zudem viel effektiver bei Beschwerden oder als Prävention.


Der richtige Preis bei Ingwer-Extrakten

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch bei Ingwer-Extrakten ausschlaggebend. Denn hochwertige und zertifizierte Bio-Qualität und natürliche, schonende Trocknung der Ingwer-Knollen, vorwiegend mit phytholistischem Extraktionsverfahren, wird mit sehr viel Aufwand betrieben, Das hat auch seinen Preis. Ein höherer Preis ist zwar kein Garant für einwandfreie Qualität, ist aber, wenn man die vorherigen Kriterien wie Qualität, Herkunft und Inhaltsstoffe beachtet, ein wichtiges Merkmal. Denn kostengünstige Ingwer-Präparate haben häufig nur das einfache Ingwerpulver und keinen hochkonzentrierten Extrakt. Der gesundheitliche Nutzen solcher Pulver-Präparate ist auch gleich null. Im schlimmsten Fall zahlt man sogar noch drauf.

Fazit

Die Ingwerknolle hat als hochkonzentriertes Extrakt einen großen medizinischen Nutzen, auch bei der Intervention in schwere Krankheitsbilder, wie beispielsweise Krebs. Aber wenn man nur einen bestimmten Extrakt zu sich nimmt, erhält der Körper möglicherweise nur aktive wasser- oder fettlösliche Bestandteile. Um die Einseitigkeit zu umgehen, kann man zu Kombipräparaten greifen, die verschiedene Extrakte miteinander kombinieren und somit die komplette Wirkung des Ingwers entfalten können. Diese holistischen Produkte werden jedoch nur vereinzelt hergestellt, da sie verhältnismäßig aufwendig und kostenintensiv zu produzieren sind. Wenn man jedoch von der positiven Vielfältigkeit des Ingwers profitieren möchte, sollte man sich die Zeit nehmen, um solche Produkte zu finden.

Quellen

  • Martin, A. C. B. M., Fuzer, A. M., Becceneri, A. B., da Silva, J. A., Tomasin, R., Denoyer, D., … Pouliot, N. (2017). [10]-gingerol induces apoptosis and inhibits metastatic dissemination of triple negative breast cancer <i>in vivo</i> Oncotarget, 8(42), 72260–72271. https://doi.org/10.18632/oncotarget.20139
  • Abdullah, S., Siti Amalina, Z. a, Murad, N. A., Makpol, S., Wan Zurinah, W. N., & Yasmin Anum, M. Y. (2010). Ginger extract (Zingiber officinale) triggers apoptosis and G0/G1 cells arrest in HCT 116 and HT 29 colon cancer cell lines. African Journal of Biochemistry Research (AJBR), 4(5), 134–142. Retrieved from http://www.academicjournals.org/AJBR/PDF/pdf2010/May/Abdullah et al.pdf