Arthrose und Arthritis

Hilft Ingwer bei Arthrose und Arthritis?

Arthrose und Arthritis zählen zu den sogenannten rheumatischen Erkrankungen. Beide Krankheitsbilder betreffen die Gesundheit der Gelenke, basieren jedoch auf grundlegend unterschiedlichen Prozessen. In beiden Fällen sind die Patienten in der Regel auf langjährige Medikation angewiesen. Dementsprechend herrscht großes Interesse daran, natürliche, schonende Alternativen zu herkömmlichen Präparaten zu finden. Studien zeigen, dass Ingwer eine solche Alternative sein könnte.

Arthritis und Arthrose sind zwei Arten von destruktiven Gelenkerkrankungen, die häufig durcheinander gebracht werden. Beide zählen zu den rheumatischen Erkrankungen. Dabei handelt es sich allgemein um Krankheiten, die mit Beschwerden des Bewegungsapparats einhergehen. Dazu zählen z.B. auch Gicht oder chronische Sehnenscheidenentzündungen.

Arthritis und Arthrose sind rheumatische Erkrankungen der Gelenke

Beide Krankheitsbilder gehen mit entzündlichen Prozessen und Schmerzen in den Gelenken einher. Dabei sind die Ursachen der Krankheitsbilder jedoch gänzlich unterschiedlich. Während es sich bei Arthritis um eine fehlerhafte Reaktion des Immunsystems handelt, basiert Arthrose eher auf einer Abnutzung der Gelenke. Beide Erkrankungen eint jedoch, dass die Therapie bis heute hauptsächlich symptomatisch erfolgt, sprich, man ist nicht dazu in der Lage, die Ursachen der Krankheit zu bekämpfen. Da langfristige, symptomatische Therapien in der Regel mit Nebenwirkungen einhergehen, bieten sich natürliche Mittel wie Ingwer als schonende Alternative an. Um nun zu verstehen, wie Ingwer bei diesen Krankheitsbildern helfen kann, sollte man sich zunächst einen Überblick über die beiden Erkrankungen verschaffen.

Was ist Arthritis?

Arthritis wird auch als chronische Polyarthritis, oder rheumatoide Arthritis bezeichnet und zählt zu den weltweit häufigsten rheumatischen Erkrankungen. Die Krankheit betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer und scheint in gewissem Maße genetisch bedingt zu sein. In der Regel tritt die Erkrankung erstmals zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf und zeigt sich zunächst in Form von Schmerzen in Finger- und Zehengelenken, wobei auch andere Gelenke betroffen sein können. Später treten schubweise Schmerzen in verschiedenen Gelenken auf und es kommt zu einer langsamen, entzündlich-bedingten Destruktion von Gelenkknorpel und Knochen. Charakteristischerweise sind die Beschwerden morgens am stärksten.

Arthritis betrifft vor allem Frauen und tritt erstmals zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf

Die genauen Mechanismen für die Entstehung von Arthritis sind trotz langjähriger Forschung bis heute nicht restlos verstanden. Es scheint sich in weiten Teilen um eine entzündliche Autoimmunerkrankung zu handeln, bei der sich das Immunsystem des Körpers quasi gegen die Gelenke richtet. Fehlgesteuerte Immunzellen bedingen dabei eine Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus den Zellen des Gelenks, Bindegewebszellen und anderen Immunzellen. Dadurch werden letztlich Enzyme freigesetzt, die Knorpelgewebe zersetzen und es kommt zur Aktivierung von speziellen, Knochen-abbauenden Fresszellen (1). Einer anderen Theorie zu Folge basiert die Zerstörung des Gewebes auf aggressiv veränderten Zellen des Gelenks, die destruktive Enzyme produzieren. In diesem Szenario wäre die Entzündungsreaktion nicht direkt an der Gelenk-Schädigung beteiligt, sondern würde dazu dienen, Zellreste zu beseitigen (2).

Die Entstehung von Arthritis ist nicht genau verstanden. Wahrscheinlich sind entzündliche Prozesse beteiligt

Die entzündlichen Prozesse im Rahmen von Arthritis können auch an anderen Organen zu Schäden führen. So haben Arthritis-Patienten ein gesteigertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da diese in großen Teilen auf Entzündungen der Gefäße basieren (3). Darüber hinaus kann es an anderer Stelle des Körpers zur Freisetzung von Enzymen kommen, die das Bindegewebe in Sehnen, Auge oder Gefäßen schädigen (2).

Arthritis erhöht das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen

Die Therapie erfolgt medikamentös zum einen über entzündungshemmende Medikamente wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), oder Cortison und zum anderen über sogenannte Basistherapeutika. Dabei dienen die beiden erstgenannten Gruppen der symptomatischen Therapie gegen Schmerzen und Entzündungen, während die Basistherapeutika das Fortschreiten der Erkrankung hemmen sollen.

Ingwer könnte vor allem als Alternative in der symptomatischen Therapie Anwendung finden, da seine Wirkung der von NSAR und Cortison ähnelt, dabei jedoch mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist (1).

Wie hilft Ingwer bei Arthritis?

Ingwer kann vor allem dabei helfen, die Entzündungen im Rahmen der Arthritis zu reduzieren. Da Entzündungen mit einer gesteigerten Schmerzsensitivität des Gewebes einhergehen, kann Ingwer darüber auch zur Reduktion des Schmerzempfindens beitragen.

Ingwer, bzw. seine Inhaltsstoffe, hemmen verschiedenen Bestandteile der Entzündungsreaktion. Dokumentiert sind unter anderem eine Hemmung der Enzyme COX2, iNOS und 5-LOX, die für die Bildung diverser Entzündungsmediatoren verantwortlich sind. Außerdem hemmt Ingwer das zentrale Molekül NFkB, das wiederum für die Produktion besagter Enzyme zuständig ist (siehe auch Entzündungen). Im Direktvergleich mit einem NSAR war Ingwer gleich effektiv, was die Reduktion von Entzündungen angeht (1).

Ingwer wirkt auf verschiedenen Ebenen entzündungshemmend

Leider fehlen bislang größere klinische Studien zur Wirkung von Ingwer bei Arthritis-Patienten. Die Grundlagenforschung ist jedoch vielversprechend und legt nahe, dass Ingwer zukünftig ergänzend in der Arthritis-Therapie Anwendung finden könnte.

Was ist Arthrose?

Als Arthrose bezeichnet man einen degenerativen Gelenkverschleiß, bzw. eine Abnutzung eines Gelenks. Diese Abnutzung löst Entzündungen im Gelenk aus und führt langfristig zu einem Umbau der knöchernen Struktur. Als Ursachen kommen Übergewicht, gesteigerte Belastung, Gelenk-Fehlstellungen, vorangehende Verletzungen oder auch Arthritis in Frage. Am häufigsten betroffen ist das Kniegelenk, das Risiko steigt vor allem mit dem Alter. Charakteristischerweise leiden die Patienten unter belastungsabhängigen Schmerz, der jedoch nicht zwingend den Grad der Gelenksdestruktion widerspiegelt. Man unterscheidet zwischen einer primären Arthrose, bei der der Knorpel ohne erkennbare Ursache geschwächt ist und einer sekundären Arthrose, die auf eine Vorerkrankung zurückzuführen ist.

Arthrose bezeichnet den degenerativen Verschleiß eines Gelenks

Therapeutisch versucht man bei Arthrose zum einen dem Abbau des Gelenkmaterials entgegen zu wirken und zum anderen Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren. Ähnlich wie bei Arthritis kann Ingwer auch bei Arthrose als alternatives Mittel zur Reduktion von Entzündungen und Schmerzen eingesetzt werden.

Wie hilft Ingwer bei Arthrose?

Die Mechanismen der Entzündungshemmung durch Ingwer sind dieselben wie bei Arthritis. Allerdings existieren zu Arthrose bereits mehrere klinische Studien am Menschen, in denen die Wirkung von Ingwer untersucht wurde. An insgesamt 757 Arthrose-Patienten konnte gezeigt werden, dass Ingwer effektiv Gelenkschmerzen reduziert. Dabei war er effektiver als Placebos und genauso effektiv wie NSAR. Da diese Medikamente bei längerer Einnahme das Risiko von Magengeschwüren und Nierenerkrankungen erhöhen, könnte Ingwer in Zukunft als sichere und nebenwirkungsfreie Alternative bei der symptomatischen Therapie von Arthrose Anwendung finden (4).

Ingwer hemmt effektiv Entzündungen und Schmerzen bei Arthrose-Patienten

Was kann man als abschließendes Fazit festhalten? Rheumatische Erkrankungen gehen häufig in gewissem Maße mit entzündlichen Prozessen einher. Diese Prozesse sind mitverantwortlich für charakteristische Symptome wie Gelenkschmerzen und -schwellung. Ingwer besitzt ein ausgeprägtes entzündungshemmendes Potential, und konnte bei Arthrose bereits erfolgreich in der symptomatischen Therapie eingesetzt werden. Da er als extrem sicher gilt und so gut wie keine Nebenwirkungen aufweist (von einer gewissen gerinnungshemmenden Wirkung einmal abgesehen), könnte Ingwer schon in naher Zukunft bei der Therapie von rheumatischen Erkrankungen Anwendung finden.

 

Quellen:

(1) Al-Nahain, A., Jahan, R., & Rahmatullah, M. (2014). Zingiber officinale: A Potential Plant against Rheumatoid Arthritis. Arthritis, 2014, 159089. https://doi.org/10.1155/2014/159089

(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Rheumatoide_Arthritis

(3) Puttevils, D., De Vusser, P., Geusens, P., & Dens, J. (2014). Increased cardiovascular risk in patients with rheumatoid arthritis: an overview. Acta Cardiologica, 69(2), 111–118. https://doi.org/10.2143/AC.69.2.3017291

(4) Bartels, E. M., Folmer, V. N., Bliddal, H., Altman, R. D., Juhl, C., Tarp, S., … Christensen, R. (2015). Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: A meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Osteoarthritis and Cartilage. https://doi.org/10.1016/j.joca.2014.09.024